«Kleinjogg» war der grosse Höhepunkt
Die aufwändige Eigenproduktion 1989
Ihre «Meisterprüfung» bestand die Regensdorfer Musikwoche 1989, als sich das OK – mit Fredi Spiess als Präsident und Erika Kuczynski als Vizepräsidentin – dafür entschied, eine Eigenproduktion unter dem Titel «Kleinjogg» zu realisieren. Der Aufwand – finanziell und arbeitsmässig – war enorm und führte das Team an seine Grenzen. Aber «Kleinjogg» wurde zum grossen Höhepunkt der Musikwoche.
Die Idee stammte von Franz Lindauer, der auf der romantischen Freilichtbühne der Ruine Altburg ein Projekt mit lokalem Bezug in die Tat umsetzen wollte. Kleinjogg, der «philosophische Bauer von der Katzenrüti», erwies sich dafür als die ideale Person. Mit den von ihm entwickelten Methoden revolutionierte er die Land-wirtschaft, und er war einer der ersten, der die als Zierpflanze geltende Kartoffel als Grundnahrungsmittel in grossem Stil anbaute. Kleinjogg entwickelte sich zum Musterbauern mit internationaler Bekanntheit. Historisch gesehen ist er die bedeutendste Person des Zürcher Unterlandes.
Während Jean Hoffmann tief in den Archiven Musik und Lieder aus der damaligen Zeit suchte und fand, überlegte sich Franz Lindauer das Konzept und die Art der Durchführung. Den Initianten stand auch das Glück zur Seite: Zufällig kam Textautor Kurt Riedberger mit einem Nachfahren Kleinjoggs in Kontakt. Zusammen mit Fredi Spiess besuchte er diesen im deutschen Albstadt. Der Ausflug lohnte sich, denn Alfons Roth-Gujer führte ein grosses Archiv mit vielen Originaldokumenten und Schriften. Der Kleinjogg-Experte trug schliesslich entscheidend dazu bei, dass die Authentizität der Aufführung bis ins Detail gewährleistet war.
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Kleinjogg Altburg

Kleinjogg Altburg
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Kleinjogg Hof
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Kleinjogg Gujer wurde 1716 als sechstes Kind einer Wermatswiler Bauernfamilie geboren. Er wurde Bauer und entwickelte über die Landwirtschaft nach und nach seine eigenen Gedanken. Und was er sich einmal vorgenommen hatte, das setzte er auch um. Dadurch bekam Kleinjogg bei Nachbarn und selbst innerhalb der Familie oft Probleme, weil seine unkonventionellen Ideen keineswegs überall Verständnis fanden. 1769 wurde Kleinjogg die Pacht des Hofes Kornamt in der Katzenrüti zugesprochen. Jetzt konnte Kleinjogg Gujer seine Methoden, die er zum Teil bereits in Wermatswil gegen den Widerstand der Umgebung durchsetzte, unter idealen Bedingungen anwenden. Der heruntergewirtschaftete Katzenrütihof war für Kleinjogg eine grosse Herausforderung. Hier konnte er aus den engen Strukturen ausbrechen und sich entfalten. |
Markante Neuerungen führten zum Erfolg
Mit verschiedenen Anbaumethoden bemühte sich Kleinjogg über Jahre hinweg, die Güter einer intensiveren Nutzung zuzuführen und so den Ertrag zu steigern. Er bemühte sich insbesondere um die Verbesserung des Bodens durch neue Düngungsmethoden. Um mehr Mist und Jauche zu gewinnen, hielt er das Vieh im Stall zurück. Aus gefaultem Wasser, kleingehacktem Reisig und Torf stellte er Kompost her. Lehmige Böden wurden mit Sand aufgelockert und die Felder von Steinen gesäubert. Kleinjogg forcierte auch den Obstanbau, und er war einer der ersten, der Kartoffeln anbaute. Äcker und Wiesen wurden bewässert und das Riedland drainiert. Allmählich entwickelte sich Kleinjogg Gujers Anwesen zu einem Musterhof, der weit über die Region hinaus bekannt wurde.
Hans Caspar Hirzel verhalf Kleinjogg zum Durchbruch
Berühmt wurde Kleinjogg durch einen langjährigen Freund, den Zürcher Stadtarzt Hans Caspar Hirzel, der 1761 ein Buch über Kleinjogg und seine Anbaumethoden veröffentlichte: «Die Wirthschaft eines philosophischen Bauers». Es folgten zwei weitere Auflagen, und bereits ein Jahr später erschien eine französische Übersetzung unter dem Titel «Le Socrate rustique». Diese wurde zu einem Welterfolg, die Kleinjogg zum Gesprächsthema von Wissenschaftern, Dichtern und Regenten machte. Sein Ruf drang bis nach Polen, England und Amerika, denn die Schrift wurde in viele Kultursprachen übersetzt. Dies hatte zur Folge, dass zahlreiche Besucher nach Katzenrüti kamen, um den Hof des philosophischen Musterbauern zu besichtigen und seinen Rat einzuholen.
Kleinjogg und Goethe
«Ich habe kein aus den Wolken abgesenktes Ideal angetroffen, Gott sei Dank, aber eines der herrlichsten Geschöpfe, wie sie diese Erde hervorbringt, aus der auch wir entsprossen sind.» Diese Worte über Kleinjogg schrieb Johann Wolfgang von Goethe nach seinem ersten Besuch auf dem Katzenrütihof (im Jahr 1775), wo «Dichter und Bauer» stundenlang zusammensassen und diskutierten. Goethe – er besuchte Kleinjogg vier Jahre später ein zweites Mal – war aber nicht der einzige Zeitgenosse, der von Kleinjoggs Leben und Wirken beeindruckt war. Auch Lavater, Pestalozzi und Jean-Jacques Rousseau gehörten zu seinen Bewunderern. Eine Gedenktafel am Katzenrütihof (direkt an der Strasse von Watt-Regensdorf nach Rümlang) erinnert noch heute an Kleinjogg Gujer, den philosophischen Bauern. |